Συνέντευξη στην Julia Damianova, kurier.at

Die Lebensmittel werden knapp. Mangel bei Importware. Verzweifelte Eltern wollen Nachwuchs bei SOS-Kinderdörfern abgeben.

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Während man auf dem EU-Gipfel am Sonntag auf eine Lösung für Griechenland hofft, ist das Land gefährlich nahe an den Notstand gerutscht. "Wird das Tageslimit für Barbehebungen nicht umgehend von 60 auf 20 Euro reduziert, gehen uns bis zum Wochenende die Banknoten aus", sagte ein Finanzberater aus Athen, der anonym bleiben wollte, dem KURIER. Nur eine rasche Erhöhung der Notfall-Liquiditätshilfe durch die EZB bis Freitag könne die Lage retten.

Auch die Lebensmittelvorräte neigten sich dem Ende zu, warnte der Verband der griechischen Einzelhandelsunternehmen SELPE. Griechische und ausländische Lieferanten verlangen von den Händlern Barzahlungen, das sei wegen der Bankensperre schwierig. "Man spürt den ersten Mangel bei importierten Lebensmitteln. Falls sich nicht bald etwas ändert, muss man in den kommenden 15 Tage mit Knappheit bei allen Waren rechnen", so SELPE-Vizepräsident Antonis Zairis zum KURIER, "im Moment steht die Realwirtschaft."

Medikamente fehlen

Apotheker in Athen berichten, dass sie viele Medikamente bei den Großhändlern im Land nicht mehr auftreiben können. Sie fürchten, dass sich bis Ende der Woche die Lage noch mehr zuspitzt. "Meines Wissens nach haben die griechischen privaten und staatlichen Spitäler Vorräte an Medikamenten und Sanitätsartikeln für einen Monat", berichtete Zairis. Das Einzige, das den drohenden Notstand entspannen könnte, sei ein Abkommen mit den internationalen Gläubigern und die Öffnung der Banken, mahnte er.

Ein Teil der Probleme mit den Warenlieferungen liegt auch an den griechischen Lastwagenfahrern. Viele sind durch die Bankensperre auf europäischen Autobahnen stecken geblieben, weil ihnen das nötige Geld für Treibstoff und Mautgebühren fehlt. "Ein Lastwagenfahrer braucht 4000 Euro, um von Deutschland nach Griechenland zu kommen", sagte Petros Skoulikidis, Präsident des griechischen Transportunternehmerverbandes.

Der Alltagsdruck auf die Griechen ist jedenfalls enorm gestiegen. Tausende Familien fragen bei SOS-Kinderdörfern nach, ob sie ihre Kinder in Obhut der Organisation geben dürften, weil ihnen die Mittel fehlten, sie selbst zu versorgen, berichtete die Nachrichtenagentur dpa.

Auch die Flüchtlinge haben die Zuspitzung der Krise im Land zu spüren bekommen. Allein seit Anfang des Jahres sind mehr als 55.000 Menschen von der Türkei nach Griechenland gekommen. Menschenrechtler warnen vor akuter Lebensmittelknappheit und Aufständen in den Flüchtlingslagern.

Auf der Insel Kos, eines der Hauptziele des illegalen Grenzübergangs, gebe es keine staatliche Stelle für die Neuankömmlinge. Dort bekommen sie Hilfe von einer einheimischen Solidaritätsgruppe und von einzelnen Touristen. Wegen der Kapitalkontrollen sind auch Bargeldtransfer-Services wie Western Union geschlossen. So haben die Flüchtlinge keinen Zugang mehr zu Geldhilfe von Familien und Freunden anderswo in Europa. In Griechenland bekommen sie kein Tagesgeld vom Staat.

Autor: Julia Damianova